KATASTROPHAL SCHLECHT!


[ Dungeons and Dragons - Der Film ]


Geschrieben von ALATOR am 18. April 2001 20:44:18:

Folgendes: Ich war vor ein paar Stunden im Kino bei der Premiere des Films. Ehrlich gesagt, ich hab mir nicht allzuviel von dem Streifen erwartet, da die meisten Kritiken, die ich gelesen habe, den Streifen sehr abwertend beurteilten. Aber als langjähriger Rollenspiel- und Fantasyfan ,,muss'' ich mir ja wohl solcherlei Genrefilme ansehen. Ausserdem wollte ich selbst ein Urteil fällen und ausserdem hegte ich doch die Hoffnung, dass die Kritiker allesamt falsch gewertet hätten und keine Ahnung von Fantasy haben.
Allerdings muss ich ihnen nun voll und ganz recht geben: Der Film war grottenschlecht! Das fängt zuerst Mal bei den eher zweitklassigen Computeranimationen an, denn kein Effekt wirkte wirklich echt. Vor allem die Drachen sind eher missglückt, sowohl vom Design her, als auch von ihren Bewegungen. Im Film Dragonheart war der Drache weit besser animiert (und sah auch cooler aus). Nun gut, dies kann man verschmerzen, vor allem wenn man bedenkt, dass dem Regiesseur nur 35 Milliionen Dollar zur Verfügung standen (und ursprünglich war das Projekt für 100 Millionen gedacht). Aber es geht noch weiter: Manche Sets und Kostüme wirkten lächerlich und sahen auffällig plastikmäßig aus, so zum Beispiel die Rüstungen der Soldaten oder bestimmte Abschnitte der Dungeons. Kleinigkeiten wie die immer perfekt sitzenden Frisuren der Helden oder manche lächerlich wirkenden Masken fallen da ja schon fast nicht mehr ins Gewicht.
Aber die wahre Katastrophe sind die Dialoge des Films und die Schauspieler. Wenn in gewissen Unterhaltungen Ausdrücke wie ,,Kaffeekränzchen'' oder Aussprüche wie ,,au contraire'' verwendet werden, dann wirkt dies sagen wir mal ,,unrealistisch'' und lächerlich. Schließlich wird hier ein Fantasywelt dargestellt, die dem Mittelalter gleicht und in der keine Sprachen wie Französisch existieren. Aber noch schlimmer sind Dialoge, in denen der Held den (offensichtlich korrupten, bösartigen und hinterhältigen) Bösewicht bittet, ihm unbedingt zu versprechen, dass der Bösewicht seine Freundin freilässt, wenn er ihm ein Artefakt ausliefert und Überraschung!: Der Bösewicht bricht sein Versprechen. Schlimmer noch sind ja vor allem die zwanghaft und bemüht witzigen Dialoge zwischen den Diebeskollegen Snails und Ridley. Ständig schneidet Snails irgendwelche lächerlichen Grimassen und lässt irgendwelche Witze von sich. Der Darsteller spielt schlecht und seine Witze sind schlecht. Ich war froh als er in einem Kampf endlich getötet wurde, seine Darstellung war einfach unerträglich und zerstörte so die gesamte Fantasyatmosphäre (es kam ohnehin nur in sehr wenigen Szenen ein wenig Atmosphäre auf). Gut, über Humor lässt sich bekanntlich streiten, aber eher weniger über katastrophale darstellerische Leistungen fast aller (ich betone fast ALLER) Charaktäre. Das fängt mit Ridley (Justin Whalin, bekannt als Jimmy aus der Serie ,,Superman''), der eine erbärmliche Performance abliefert und in keinem Moment als Dieb und Heldenfigur glaubwürdig rüberkommt. Über Snails (Marlan Wayans) hab ich ja schon genug gesagt. Der böse Krieger Damador (Bruce Payne) ist ein so böser Bösewicht, wie ein böser Bösewicht eben sein muss, nämlich abgrundtief böse, also extrem klischeehaft. Die Prinzessin Sarvina (thora Birch, bekannt aus American Beauty-da spielte sie wirklich gut) wirkte auch kaum glaubwürdig, im Vergleich zu ihren früheren Leistung ist sie erbärmlich. Und am meisten enttäuscht war ich von Jeremy Irons (bekannt aus Kafka, Madame Butterfly oder Stirb Langsam 3), der den bösen Magier Profion mimte. Dieser herausragende Charakterdarsteller, der sogar den Oscar für eine Nebenrolle bekommen hatte, spielte den Magier so extrem übertrieben, sodass er einfach nur unglaubwürdig und lächerlich wirkte. Kein Bösewicht von Format, sondern ein seltsam herumgestikulierender, gesichtsverzerrter und ständig diabolisch lachender Hampelmann, der nur in manchen Momenten seiner ROlle gerecht wird. Der einzige Charakter, der ,,realistisch'' (im Sinne der Fantasywelt) wirkte, war der Zwerg Elwood (Lee Arenberg), der sogar überzeugend spielte, zumindest im Vergleich zu seinen Kollegen. Auch der Anführer der Diebesgilde Xilus (Richard O'Brien kam gut rüber.
Der lächerlichste Höhepunkt des Films war allderdings die Schlussszene am Grab von Snails: dessen Grab bestand nämlich nur aus ein paar aufeinander gelegten Steinchen (so ne Art Turm) und im obersten war der Name Snails eingeritzt. Das sah so unglaublich lächerlich aus, sodass ich mich halbtot gelacht habe.
Kommen wir nun zu ein paar filmischen Höhepunkten dieses im Grunde furchtbaren Machwerks: Die Drachenschlacht am Ende sah teilweise sehr cool aus; wenn die Magier zu zaubern begannen kam ein wenig Fantasyatmosphäre auf, auch die Szene in der Taverne wusste teilweise zu überzeugen und gewisse Kamerafahrten wirkten recht spektakulär, auch der Zwerg Elwood hatte ein paar gute Szenen. Das wars aber auch schon mit den Pluspunkten.
Ich sollte glaube ich noch anmerken, dass ich ein großer SF- und Fantasyfan bin, der kaum einen Genrefilm in den letzten Jahren im Kino versäumt hat und der eine große Anzahlt von Filmen dieser Art gesehen hat (ich denke da an Conan, Willow, Das letzte EInhorn, Herr der RInge-den Zeichentrickfilm...) und der sich relativ gut bei der Thematik Fantasy im Allgemeinen auskennt. Auch steh ichs mir auf gute Schauspieler, gute Effekte und gute Drehbücher mit guten Dialogen. Um nun eine ganze Fantasywelt überzeugend und glaubwürdig in einem Film darzustellen und dabei auch noch eine gute und verständliche Story zu erzählen bedarf es natürlich sehr viel an Aufwand und Mühe. Das entsprechende Feeling von Fantasy gut rüberzubringen ist nicht einfach, das ist mir klar, aber Dungeons&Dragons fiel was das betrifft auf der ganzen Linie durch, selbst wenn man als Fantasyfan noch so nachsichtig ist. Somit war das eindeutig einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen habe.
Das Beste am Film war eigentlich, dass ich schon lange nicht mehr bei einem Kinofilm soviel gelacht habe, aber nicht weil er so witzig war, sondern vielmehr so lächerlich...
Ich hoffe die DER HERR DER RINGE-Verfilmung (auch von der selben Filmfirma, nämlich New Line Cinema und auch mit einer Fantasygrundthematik) wird kein solches Desaster, keine solche Enttäuschung und kein solches Fantasyfilmverbrechen...

Ach ja: Der Film war ursprünglich als Trilogie geplant (so eine Art Star Wars der Fantasy), aber nach seinen katastrophalen Einspielergebnissen wird daraus wohl nix. Der Schluss des Films ist ja offen...




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