Connavar Winterstern
  Connavar wurde im Jahre 1317 TZ als Sohn einer glücklichen Liebe geboren. 

Als sein Vater Rovarar Winterstern, mit damals 17 Jahren einer der jüngsten Waldläufer im Dienste der Reiter von Misteltal, auf einer Patrouille die Wälder östlich seiner Heimatstadt Ashabenfurt
durchstriff, hörten er und seine Gruppe eindeutige Kampfgeräusche weiter östlich. Ungeachtet der Tatsache, dass sie die Grenzen von Misteltal schon längst überschritten hatten und schon mehrere Meilen
am Stehenden Stein vorbeigewandert waren, machten sich die fünf Waldläufer auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen. Einige vorsichtige Minuten später trafen sie auf einen Ort des Grauens -
eine kleine Elfensiedlung war niedergebrannt, der Dunst und der Geruch nach verbranntem Fleisch liess die Männer erstarren. Doch keine Menschen- oder Elfenseele war zu sehen. 

Plötzlich bemerkte Rovarar, wie ein dunkler Schatten zwischen den Bäumen umherschlich, und ein leichtes Aufblitzen von Stahl liess ihn nicht länger zweifeln: Dunkelelfen hatten die Siedlung
angegriffen! Ohne zu zögern legte er einen Pfeil auf und bedeutete seinen Gefährten, sich ein wenig zu verteilen und vorsichtig zu sein. Der dunkle Schatten war wieder verschwunden, und Rov lauschte
angestrengt nach weiteren Geräuschen ausser dem Knacken des verbrennenden Holzes, als sich plötzlich Schritte von hinten näherten. Er konnte seinen Pfeil grade noch festhalten, als er herumwirbelte
und in das entsetzte Gesicht einer Waldelfe blickte, die wie angewurzelt vor ihm stehenblieb - sie war wunderschön, noch schöner als alle Elfen, die er bis jetzt gesehen hatte, trotz der blutenden
Wunde, die über ihrem rechten Auge klaffte. Rovarar vergass fast die Welt um sich herum und die angreifenden Drow, als er in die vor Schreck und Angst aufgerissenen Augen sah. Er liess seine Waffe
sinken, doch in diesem Moment hob die Elfe ihre Hände und murmelt ein paar unverständliche Worte. Zorn blitzte in ihren Aufen auf, und mit einer katzenartigen Bewegung sprang sie auf Rovarar zu.
Erschrocken über den plötzlichen Angriff hob er blitzartig den Bogen und zog erneut die Sehne, doch zu spät - aus den Zeigefingern der Elfe rasten kleine blausprühende Energiebälle auf ihn zu. Und an
ihm vorbei.

Einer der Drow hatte sich an ihn herangeschlichen, doch die magischen Entladungen hatten ihn aufgehalten, so dass der ungläubig starrende Waldläufer ein wenig Zeit hatte sich zu sammeln.
Ein kurzer Kampf entbrannte, und auch die anderen Waldläufer hatten eine Handvoll Gegner zu bewältigen. Plötzlich jedoch ergriffen die Dunkelelfen die Flucht und verschwanden im dichten Wald.

Die Elfe sank hinter Rov zu Boden, und ihre Wunde blutete leicht. Er kümmerte sich tagelang um sie, während sie in einer Art Traum immer wieder schmerzvolle Schreie von sich gab. Sie hatte Fieber,
doch mit Rovs Behandlung ging es ihr bald wieder besser. Als sie wieder bei Kräften war, erzählte Sylimbe Eichenblatt (so hiess sie) von dem Überfall auf ihr Dorf. Die Dunkelelfen waren auf der Suche
nach etwas, und sie vermutete, es handelte sich um ein magisches Artefakt in Form einer Brosche, denn alle Frauen, die eine solche Broschen trugen, wurden erschlagen und der Brosche entledigt. Auch
sie trug ein solches Schmuckstück, ein Erbe ihrer Mutter. Sie hatte alle verloren, die ihr etwas bedeuteten, doch jetzt hatte sie in Rov einen neuen Freund gefunden. Und bald lernten sie, sich zu
lieben.

Im nächsten Winter wurde ihr Sohn geboren, Connavar, just an dem Tag der Wintersonnenwende. In Aschabenfurt, wo Rov und Sylimbe in einem kleinen Häuschen wohnten, wurden sie misstrauisch beäugt, aber
Rovs jugendliche Kraft und seine offene Art liess die Leute über die immer noch ungewöhnliche Verbindung zwischen Elf und Mensch hinwegsehen. Sylimbe jedoch wurde mit den Jahren immer einsamer,
während Rov in den Wäldern nach dem Rechten sah, und sie fühlte sich beobachtet in der ansonsten von Menschen besiedelten Gegend.

Als Connavar 3 Jahre alt war, sprach sie davon, wieder in die Wälder zu ziehen. Rov wollte mit ihr gehen, doch sie erlaubte es nicht. Sie würde wieder zurückkommen, wenn zu ihrem Mann, den sie liebte
- doch erst, wenn sie einige Antworten auf Fragen bekommen würde, die sich ihr schon lange stellten. War es ihr Amulett, nach dem die dunklen Brüder suchten?

Connavar wuchs ohne Mutter auf, und als er 15 wurde, nahm ihn sein Vater zu den Reitern von Misteltal mit. Er lernte die Techniken des Kampfes, doch am allermeisten machte ihm der Bogen Freude, und so
dauerte es nicht lange, bis er in Reihen der Bogenschützen eintrat. Die Jungen in seinem Alter machten sich am Anfang oft Spässe mit dem kleineren Halbelfen, doch seine freundliche Art, die er von
seinem Vater geerbt hatte, bescherte ihm bald einige Freunde.

Eines Tages, Connavar wusste nicht, dass es der letzte sein würde, den er mit seinem Vater verbringen durfte, erzählte ihm Rov von seiner Mutter. Connavar hatte nur manchmal gefragt, doch den Schmerz
in den Augen seines Vaters konnte er nicht ertragen, und so wartete er. Rov erzählte ihm von der gefährlichen und wundersamen Begegnung, und wie sie sein und er ihr Leben gerettet hatte, und wie sie
sich ineinander verliebten und er als Zeichen der Liebe geboren wurde. Just in dem Moment erschallten die Hörner der Stadt, und Rov sowie sein Sohn hasteten nach draussen - nur um einen weiteren
Angriff der Dunkelelfen, die in den letzten Jahren zugenommen hatten, gegenüberzustehen.

Seite an Seite kämpften sie, Rov mit seinem grossen Schwert, und Conn mit seinem Langbogen. Im Gewirr des Kampfes wurden sie jedoch kurzzeitig getrennt, und als sie sich in den Gassen wieder trafen,
sah Conn, wie hinter seinem Vater einer der dunklen Bastarde auftauchte, und rechts von ihm noch zwei weitere. Wut und Verzweiflung stieg in ihm auf, und plötzlich war es so, als ob eine innere Kraft
über den Bogen in den Pfeil schoss, und er liess die Sehne tanzen. Zwei erledigte er mit einem Pfeil, doch der dritte duckte sich geschickt und konnte Rov von hinten sein Schwert in den Rücken jagen.
Mit einem hämischen Grinsen wollte er es aus dem sterbenden Waldläufer ziehen, doch es steckte fest, und Conn schoss ohne zu zögern und traf die Kehle des Mörders.

Seitdem lebt Conn in Aschabenfurt und gehört den Reitern von Misteltal an, die die Gegend bewachen und Reisende geleiten, meist ohne deren Wissen. Die Überfälle der Dunkelelfen häufen sich in den
Talländern, und Conn hat Übung im Kampf mit ihnen. In den letzten Jahren hat er auch in den Kämpfen gegen die Zhentarim teilgenommen, die die Gegend einnehmen wollen. Im Jahr 1355 half ein Grossteil
der Reiter den Rittern von Myth Drannor in Schattental, einen offenen Angriff abzuwehren, und ein Jahr später kämpfte er in den Streitkräften, die Lashan von Scardale und seine wahnwitzigen Pläne
vereitelten, die gesamten Täler einzunehmen. 

Er ist ein erfahrener Bogenschütze, und seit der Begebenheit beim Tod seines Vaters spürt er eine innere Kraft, die auf seine Pfeile Einfluss hat.

Abends sitzt Connavar oft im Weissen Hirsch in Aschabenfurt und denkt über die Wälder nach, die nach ihm rufen. Und seine Mutter.