Reisetagebuch
 
Erinnerungen von Connavar Winterstern,
Alturiak 1360 bis Uktar 1361

14. Alturiak 1360
Tatsächlich bin ich nun mit Jonathan nach Yhaunn gezogen. Es scheint, es ist ihm sehr dringlich, die dortigen Angelegenheiten zu bereinigen, und er hat nicht nein gesagt, als ich anbot, ihm dabei zu helfen. Yhaunn liegt nahe bei den Talländern, eine Bedrohung aus dem Süden abzuwenden sollte auch meiner Heimat hilfreich sein.
Dhune ist in Mulmaster bei den Mänteln geblieben, endlich mag er sich im Staube seiner Bücher verkriechen zu können, statt über den Staub der Strasse auf seinen Stiefeln zu sinnieren. Und Freund Baal scheint auch mysteriöse Vorkommnisse in seiner Vergangenheit zu haben, die es für ihn zu klären gilt. Die beiden haben sich herzlich verabschiedet, und es schmerzt mich jetzt schon, nachdem wir nur einen Zehntag unterwegs sind.
Jona und ich haben uns für den Landweg zu Fuß entschieden. Ein bisschen freie Natur nach den vielen Stunden in der Dunkelheit tut uns beiden gut.
Die wilden Zeiten letztlich haben mich sogar vergessen lassen, dass ich Geburtstag hatte. Nunja, die Rettung meiner Welt scheint mir ein geeignetes Geschenk zu sein.

25. Tarsak 1360
Die Tage fliegen dahin in Yhaunn, ebenso wie die Bedrohung. Von ganz allein scheinen sich die Priester des Kossuth von der Stadt zu entfernen, ebenso wie die Roten Magier mit ihrer Sklaventreiberei, die hier einen Fuß in die Tür stellen wollten.
Die Rede auf den Strassen ist voll von unserer Geschichte, den glorreichen Helden, die das Land heldenhaft gerettet haben, indem sie in das Dunkle Reich unter der Erde gezogen sind und die finsteren Dunkelelfenstädte massenweise vernichtet haben. Wahre Ritter in scheinenden Rüstungen, riesige glühende Schwerter, und alles verzehrende Flammenbälle aus den Augen schiessend.
Ich muss jedes Mal lächeln, wenn ein Geschichtenerzähler oder fahrender Barde von den wagemutigen Helden berichtet und dabei so übertreibt, dass ich manchmal denke, dass es gar nicht meine Geschichte sei.

Grüngras im Jahre 1360
Es ist Grüngras, das Frühlingsfest. Und ich vermisse meine Heimat zwischen den Wäldern. Es gibt hier nichts mehr zu tun, die Vorkommnisse haben sich (zumindest oberflächlich) geklärt, und Jona ist guter Dinge, dass es ein Weilchen so bleiben könnte. Mein Abschied hat ihn vielleicht auch ein wenig betrübt, aber er wird mich allabendlich in den Liedern wiederhören, und so sagten wir nur kurz Lebewohl, wohl wissend, dass wir uns in ein oder zwei Jahren ja wiedertreffen würden.

13. Kytorn 1360
Sommer in den Talländern. Und in den Herzen. Ich glaube, ich habe meine Freunde und Bekannten selten so glücklich erlebt. Natürlich, die Talländer sind nie leicht unterzukriegen, doch Bedrohungen aus dem Norden und von unter der Erde lassen so manchen grimmig schauen. Doch jetzt scheint es, als ob die Sonnenstrahlen und die guten Nachrichten aus jedem Gesicht selbst eine Sonne zu machen scheint, so strahlen alle um die Wette.
Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein, marodierende Orks oder tollwütige Bären sind auch eine Bedrohung, wenn vielleicht auch eine viel kleinere. So bin ich zurück zu den Reitern von Misteltal und beschütze meine Heimat wie eh und je. Nelyssa hat mein Geschenk mit einem wissenden Blick angenommen, ich denke, sie ahnt, dass ich einer der Helden bin, die gar nicht so fern unter unseren Füssen für Ruhe gesorgt haben. Dennoch hat sie kein Wort fallen lassen, sondern dankte nur Chauntea, dass ich unbeschadet zurückgekehrt bin und mich in ihren Reihen willkommen geheißen.
Meiner Hütte ist nichts geschehen, doch als ich zurückkam, wartete Feng schon auf mich. Als hätte er geahnt, dass ich wieder da bin. Seine glühenden Augen begrüßten mich, dann trollte er sich in Richtung Wald. Sicherlich, ein halbes Jahr fast hatten wir uns nicht gesehen, doch ich glaube immer noch, dass er mich als einen Freund betrachtet.
Eigentlich wollte ich meinen anderen alten Freund Tolman besuchen, den Rüstungsmacher der Reiter. Doch er schien nicht zu Hause zu sein. "Ja, verschwunden, einfach so. Hat sich nicht abgemeldet..." wusste die Hauptfrau . Kam mir schon ein wenig komisch vor, aber manchmal begab er sich auch auf die Reise, um neues Leder zu besorgen. Dennoch, in seiner unverschlossenen Hütte war alles zurückgeblieben, und das Essen stand noch auf dem Herd. Das ging wohl nicht mit rechten Dingen zu...
Ich suchte nach Spuren, doch fand keine. Keine Briefe, keine Kampfspuren, selbst alles Gold war noch da.
Ich fragte ein paar Leute, doch seit einem Zehntag schien er wie vom Erdboden verschluckt. Einzig ein Kuhjunge hatte ihn morgens im Nebel sehen wollen, im Norden bei den Kuhweiden. Aber nur kurz, und dann wär da auch noch eine riesige Katze gewesen, groß wie ein Mensch. Zwei anwesende Bauern lachten nur hämisch, hatte der Junge doch im letzten Sommer von einem Drachengebrüll erzählt, dabei war es nur eine kranke Ziege gewesen. Noch dazu hätte so ein Tier ja den Reitern auffallen müssen, was ich natürlich bejahte.
Dennoch, irgendetwas störte mich an der Sache. Weitere Befragungen ergaben jedoch nichts, und so entschied ich einen Zehntag zu warten.

27. Eleint 1360
Der Sommer ist vorüber, und der goldene Herbst hat nicht nur warme Abende. Dennoch ist mit den fallenden Blättern auch ein Händler in die Stadt gekommen, dem ich einige Dinge abkaufen konnte. Einen wunderschönen Bogen, mit hellblauen gewundenen Verzierungen und einem kleinen gelben Blitz am Nock, und einen kleinen Ring, der mich vor bösen überraschenden Stürzen retten wird. Dhûne würde lachen, Federfall ist wohl eine seiner leichtesten Übungen, aber er hockt jetzt wohl in seinem Turm und hat wohl kaum Zeit zu fallen.
Tolman ist immer noch nicht zurückgekehrt. Ich habe seine Hütte verschlossen, der Schlüssel lag ja immerhin auch auf dem Tisch.

30. Uktar 1360
Heute vor einem Jahr war es, dass ich Sehanine von der Schippe gesprungen bin und nur durch Andaralles Macht zum Leben zurückkehren konnte. Ich danke den Göttern für diese glückliche Fügung. Ich trinke auf Euer Wohl, meine Freunde, wo immer ihr auch grade seid!

4. Alturiak 1361
Mein Geburtstag. Dieses Jahr vergesse ich ihn nicht. Ich trinke auf Euer Wohl, meine Freunde.
Und auf Tolman. Ich hoffe, ihm ist nichts schlimmes widerfahren, doch ich glaube so langsam das Gegenteil.

12. Ches 1361
Das Jahr der Jungfrau ist erst drei Monate alt, und schon gibt es schlechte Neuigkeiten. Nunja, nicht für die Talländer, so hofft man, doch es könnte auch Auswirkungen auf unser Leben haben.
Dennoch, die Zentilfeste ist weit entfernt vom Herzen des Waldes. Man hört, es wird dort gekämpft, und Tyrannos wäre von Cyric gestürzt worden. Die Kleriker und Anhänger des einen dunklen Gottes werden in den Untergrund getrieben, und Cyricgläubige übernehmen die Stadt. Wer weiß, wozu das führen wird...

Mittsommer 1361
Der Sommer ist heiß. Zu heiß. Eine große Dürre ist im Gange, und selbst der Ashaba führt so wenig Wasser, dass es nie reichen würde, wenn man mit seinem Wasser die Felder nässen würde. Vorausgesetzt, man hätte die Männer dazu, denn so viele Hände gibt es hier nicht.
Weizen wird rar werden.
Noch dazu sind die Preise für Gerätschaften, ja alle Eisenwaren gestiegen. Ein schlimmes Jahr, und leider kein Feind, den die Reiter einfach so besiegen könnten.

30. Uktar 1361
Zwei Jahre ist es nun her, und ich frage mich, was meine Gefährten so treiben. Ich trinke auf Euer Wohl, meine Freunde.