Reisetagebuch
 
Erinnerungen von Connavar Winterstern,
1. Hammer 1362 & 10 Ches 1362

1. Hammer 1362
Das Jahr des Helms. Ob das ein Zeichen ist, sich zu wappnen und auf Gefahren vorbereitet zu sein?
Immerhin, die große Dürre im Sommer hat nicht so viel Schaden angerichtet wie befürchtet, denn der Winter ist mild, sehr mild. Schnee ist noch keiner gefallen, und ich denke, es wird auch keiner mehr kommen.

10. Ches 1362
Heute morgen stand plötzlich Baal in der Tür! Ich freute mich wie ein Schneekönig... nunja, so ein König hätte dieses Jahr nicht viel Freude gehabt, vermutlich, aber dennoch.
Er war wohl kurz nach meiner Abreise in Yhaunn, Jona ginge es wohl gut. Auf die Frage, warum er nur mit einem merkwürdigen Barbarengewand durch die Gegend liefe und das nun neue Mode sei, berichtete er mir von einer besorgniserregenden Begebenheit. Letztes Jahr hatte er einen Zwerg kennen gelernt auf seinen Reisen, einen Schmied, und über ein paar Monate hatte er sich mit ihm angefreundet, so dass er einwilligte, Baals Kettenhemd ein wenig zu modifizieren. Als er nach zwei Monaten zurückkam, um es abzuholen, war der Zwerg verschwunden - mitsamt seinem Hemd.
Umso beunruhigender, als ich ihm dann von Tolman erzählte, und wir uns beide an den Zwerg in Mulmaster erinnerten, der von einer silbernen Katze getötet worden war und selbst drei Kleriker ihn nicht wieder ins Leben rufen konnten.

Noch merkwürdiger jedoch, als ein gut gelaunter Dhûne am Nachmittag in die Hütte trat. Frau Tymora hatte da wohl ihre Finger im Spiel.
Und auch der Magier berichtete von zwei toten Schmieden, den besten in Mulmaster und Umgebung.

Wir plauderten noch eine Weile über die vergangenen zwei Jahre, doch diese drei Fäden hatten sich schon zu einem Knäuel verwoben - und ich konnte die beiden dazu überreden, sich der Sache (wie auch immer) anzunehmen. Im Weißen Hirschen am Abend spielte erneut ein Spielmann "unser" Lied. Lustig, schon so lange ist es her, doch die Welt scheint immer noch von uns gerettet.
Der Eisenmangel scheint fortgeschritten zu sein, Schwerter und Pflugscharen kosten ein Vermögen. Ob das auch mit den verschwundenen Schmieden zusammenhängt? Der Müller könnte etwas wissen, sagte uns der Wirt des Hirsches, und so statteten wir ihm einen kurzen Besuch ab, mitten in der Nacht. Er (und sein quadratschädliger Sohn) waren nicht grade angetan von der Störung (hauptsächlich wohl, weil sie mich nicht leiden können, vermutlich wegen meiner Herkunft), aber er bestätigte, dies von den anderen Müllern und reisenden Händlern erfahren zu haben.

Unruhe machte sich in uns breit. Wir brauchten Informationen, keine Zeit zu warten. Dhûne schlug vor, uns nach Schattental zu portieren und dort bei Elminster um Rat zu fragen, wenn er da wäre. Eine gute Gelegenheit, Gunthor erneut aufzusuchen, den dortigen Zwergenschmied. Hoffentlich war es noch nicht zu spät, und auch er wäre schon verschwunden oder ermordet.
Das Teleportieren war nach zwei Jahren recht ungewohnt, und meine Augen gewöhnte sich nur langsam an die neue Umgebung, als wir in Schattental beim Chaunteatempel angelangten. Ein kleiner Fußmarsch, und wir waren beim Verdrehten Turm angelangt, den wir auch damals schon aufgesucht hatten. Freundlich wurden wir durch die Tore in den Innenhof eingelassen und einquartiert, wenn wir es so wollten. Doch zunächst galt es, den Zwerg aufzusuchen. Dieser befand sich jedoch nicht im Hof, sondern im Schädel. Also zogen wir schleunigst dorthin- und fanden Gunthor, zufrieden und wohlauf, einen riesigen Humpen Bier vor sich stehen, zusammen mit zwei zwergischen Freunden.
Er staunte nicht schlecht, als wir ihm berichteten, dass er womöglich in Lebensgefahr sei. Dennoch, er wäre kräftig und hätte keine Angst, immerhin hätte er seinen Hammer dabei, sagte er, während er noch weiter vom Bier trank.
Wir entschieden, den Rest des Abends auf ihn aufzupassen, und morgen bei Elminster vorzusprechen. Weit nach Mitternacht torkelten Gunthor in Richtung des Turms, während wir die Augen offen hielten. Doch die Gefahr wollte wohl nicht an diesem Tag erscheinen, was ja auch mehr als zufällig wäre.
Das Tor passiert, und eine gute Nacht gewünscht, wurden wir von einem bediensteten Knaben die Treppen raufgeführt, als ich einen Schatten wahrnahm auf dem Dach der Schmiede. Ein ohrenbetäubender Schrei erklang, als ein silbernes Tier heruntersprang, genau vor Gunthors Füße. Der Zwerg hielt sich die Ohren zu, doch es schmerzte ihn wohl sehr, so dass er auf die Knie ging (was einen nicht so großen Unterschied machte zu seiner vorherigen Position).
Dennoch, die Gefahr hatte mich genarrt, und sie kam wohl just in dem Moment, als auch wir zugegen waren. Baals anstürmendem Schwert konnte das merkwürdige Stahlmonster widerstehen, zäh wie es war. Meine magischen Pfeile jedoch durchdrangen den Panzer, mit mäßigem Erfolg. Dhûnes Zauber waren zunächst wirkungslos, Blitz und Feuer schien dem Monstrum nichts auszumachen. Dann, der rettende Einfall: Säure frisst Eisen, und so stürmte es für einen Moment Säure um das Vieh. Zurück blieb ein kleiner Haufen rauchendes Metall - und ein weiterer ohrenbetäubender Schrei, als ein zweites identisches Metallwesen vom nebenliegenden Dach sprang. Doch Dhûne war vorbereitet, und ohne zu zögern war auch dieses Monster von Säure verätzt.

Die Ruhe nach dem kurzen Sturm tat Gunthors Ohren gut, und so erholte er sich wieder, nachdem Baal ihn ein wenig versorgt hatte. Andarell wird schmerzlich vermisst, heilende Hände haben halt nur die wenigsten von den Göttern erhalten.
Als er wieder bei Kräften war, brummelte er etwas von zwergischen Mythen und Legenden. Stahljäger, so würden diese Viecher heißen. Aus purem Stahl, doch lebendig und intelligent. Allen Stahl und jede Form von Eisen würde ihnen munden. Dhûne betrachtete unterdessen vorsichtig die Überreste, um sich nicht selbst zu verätzen. Stählerne Sehnen und Muskeln schienen unter dem Stahloberpanzer hervor. Fürwahr, eine merkwürdige Form des Lebens.

Wir beschlossen, die Nacht nicht im Turm, sondern gemeinsam mit Gunthor in dessen Stube hinter der Schmiede zu verbringen. Soldaten des Fürsten boten sich an, die Nacht über uns zu wachen. Aber einen ruhigen Schlaf würde ich wohl nicht haben... Stahljäger. Jäger.