Intermezzo
 

Der Winter hatte sich wie ein weißes Brautkleid über die Erde gesenkt und die Wälder lagen in einem geisterhaften Nebelschleier. Die Mittagssonne versteckte sich hinter den grauen Wolken und selten vermochte einer ihrer Strahlen durch das dichte Dach zu brechen. Und selbst dann schien das Licht nicht wärmend oder lindernd zu sein, sondern es war fahl und kündete vom Unheil. 
Der junge Köhler trat vor die Türe seiner Hütte, um das glimmende Feuer im Kohlemeiler zu überprüfen, dass nur schwerlich gegen die eindringende Kälte bestehen konnte. Schwarzer Qualm trat aus dem Ofen, denn das Holz war kalt und nass. Es würde nur schlechte Kohle ergeben, das wusste er. Schlechte Kohle bedeutete schlechten Lohn; und das bedeutete Hunger. Er war erst 19 Jahre alt und mit seiner zwei Jahre jüngeren Frau vor wenigen Monaten an den Waldrand in der Nähe von Narbental gezogen. Es war ein hartes Leben für das junge Pärchen, aber ihre Liebe stärkte sie. Immer wenn sie des Abends zu Bett gingen, wussten sie, dass sie eines Morgens vom Vogelgezwitscher der Frühlingsvögel geweckt werden würden. Und nach dem Frühling kommt der Sommer.
Aber nun schrieb man den 19. Uktar 1359 und der Winter hatte erst begonnen. Der junge Köhler kontrollierte den Meiler, als plötzlich ein Windstoß durch die Bäume fuhr. Ein Rascheln erfüllte den Wald und Schnee rieselte von den kahlen Ästen. Ein leises, näherkommendes Donnern störte die friedliche Ruhe. 
Der Schnee wirbelten unter den Hufen der Pferde wild umher und der Boden erzitterte. Die Muskeln unter dem schimmernden, schwarzen Fell der Tiere bebten und aus den Nüstern stiegt Dampf auf. Die edlen Schweife wehten ungezähmt im Wind. Weder Ast noch Stumpf vermochten die Pferde zu stoppen. Dunkle Krieger in glänzenden, stachelbewehrten Rüstungen trieben ihre Pferde immerzu an
. In ihrer rechten Hand erhoben sie blutverschmierte Streitkolben, am linken Arm trugen sie wappenlose, schwarze Schilde. 
Niemand sah das Gemetzel und niemand hörte die Schreie der jungen Ehefrau, als die Krieger über sie herfielen. Viele Stunden hallten die Schreie durch den Wald -- erst spät am Nachmittag wurde es wieder ruhig. Ruhiger als zuvor, selbst der Wind schien zu schweigen. Der Schnee hatte sich rot gefärbt.

Zur gleichen Zeit, viele Kilometer südlich von Yhaunn öffnete sich ein Tor in Zeit und Raum und mitten auf der Ebene, unweit der Meeresklippen tauchte plötzlich eine seltsame Gruppe auf. Ein roter Magier, ein Halbork, eine halbelfische Bardin, zwei Zwerge und ein Mensch standen unvermittelt im Schnee und schauten sich erschöpft an. Einige von ihnen schienen verletzt, andere traurig. Sie hatten ihren Auftrag erfüllt und doch fehlte ihnen dieses befriedigende Gefühl. Nun standen sie da, mitten im Schnee und wussten nicht wohin. Nach Yhaunn konnten sie keinesfalls mehr reisen, das wäre zu gefährlich. Darin waren sie sich einig, aber wohin sollte ihre Reise sie nun führen? Da erinnerten sie sich der Worte von Sturm Silberhand, jener geheimnisvollen Auftraggeberin, die sie überhaupt erst an diesen Ort gebracht hatte: "Sucht Randal Morn in Dolchtal auf, er wird Euch fürstlich belohnen."
Sie schnürten ihre Rücksäcke, und begaben sich auf den langen Marsch gen Norden, in Richtung der Talländer.