Reisetagebuch
 
Reisebericht von Jonathan Schreiber
19. Eleint 1359 T.Z.

Oder ist es schon der 20. Eleint? Ich weiß es nicht. Langsam verliere ich mein Zeitgefühl in der ewigen Schwärze.

Ich befinde mich mit vier Gefährten in der Tiefe, im Inneren des Berges Steinzahn, und wir kämpfen uns mühsam zum Herz des Berges vor - zur alten Zwergenbinge. Meine Reisegefährten sind: Dhune Nevyhr, ein etwas überheblicher Jungspund von einem Magier, der jedoch nicht auf den Kopf gefallen ist, Baal, ein riesenhafter Halbork - wie geschaffen für die groben Arbeiten, Andarell Balderk, eine tatkräftige und sehr hilfreiche Zwergenpriesterin und Tiriel Windfänger, eine übermäßig neugierige Halbelfe, dafür aber ziemlich hübsch.

So manches könnte ich über die Wunder der Zwergenhöhle berichten, die architektonische Meisterleistung der Zwerge, die dem geschulten Auge die Geschichte jahrhundertealter Handwerkskunst erzählt. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden. Dieser Bericht soll eine neutrale Darstellung der Ereignisse in der Zwergenbinge sein. Sollte uns unser Schicksal ereilen, soll dieser Bericht unsere Abenteuer für die Nachwelt erhalten.

Nach dem Kampf mit dem garstigen Tarnwesen haben wir die Erforschung des unterirdischen Stollensystems wieder aufgenommen. Im Norden der großen Pilzhöhle erstreckten sich nicht von Zwergenhand geschaffene Höhlengänge. In diesem Gangsystem sollten uns weitere Wunder und weitere Schrecken erwarten. Nach kurzer Erforschung der Gänge fanden wir eine Höhle mit einem seltsamen Pilz- und Sporenbewuchs – eine natürliche Falle! Beim Betreten des Raumes sonderte der Bewuchs eine giftige Sporenwolke ab. In dieser Höhle lagen die Überreste eines lange verstorbenen Zwerges. Der Zwerg war noch nicht all seiner Schätze beraubt. In seiner Hand konnten wir ein Bastardschwert ausmachen. Mit einem kurzen Vorschnellen meiner Peitsche gelang es mir die Peitsche um den Griff des Schwertes zu schlingen und es zum Eingang der kleinen Höhle zu ziehen. Und tatsächlich! Endlich lag die erste von Durgeddin geschmiedete Klinge in unseren Händen.

Von diesem Fund beschwingt setzten wir unsere Erkundung dieses Gangsystems fort und in Bälde sollten sich unsere schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten. Wir waren hier unten in der Tiefe des Berges nicht alleine. In einer großen Höhle begegneten wir einer abnormen Kreatur. Einem zweibeinigen Echsenwesen. Der Echsenmensch setzte Dhune und Baal mit seinem schrecklichen Gestank außer Gefecht und floh vor uns anderen in einen Seitengang. Doch war er nicht wirklich geflohen... er hatte sich Hilfe gegen uns geholt. Aus dem Seitengang konnten wir das Knirschen einer Winde hören und dann stürmte uns ein riesenhafter, wütender Braunbär entgegen. Die Zeichen standen in diesem Kampf schlecht für uns – Baal und Dhune waren noch von dem Gestank des Echsenmenschen ausgeschaltet!

Mutig stellte sich Andarell dem Bär in den Weg, während Tiriel und ich unser Glück mit Armbrust und Peitsche versuchten. Doch schienen wir die Bestie nur noch wütender zu machen. Der Bär drohte uns mit seinen Pranken in Stücke zu reißen und mit seinen mächtigen Zähnen zu zerfleischen. Mich fegte er beiseite wie ein lästiges Insekt und auch Tiriel streckte er nieder. Schließlich gelang es Baal, nachdem er sich von dem Gestank der Echse erholt hatte, den Bären niederzustrecken. Doch um welchen Preis! Der Kampf hätte einige von uns fast das Leben gekostet.

Nach dem Kampf suchten wir uns einen Rastplatz, um unsere Wunden zu versorgen. Denn in unserem Zustand waren wir weiteren Gefahren nicht gewachsen. Wir fanden ein kleines Plateau in der großen Pilzhöhle, auf dem wir uns verbergen und rasten konnten. Während unserer Rast konnten wir beobachten, dass die Echsenmenschen uns verfolgten. Mindestens zehn dieser Wesen folgten unseren Spuren, konnten uns zu unserem Glück jedoch auf dem Plateau nicht entdecken.

So verbrachten wir eine bange Rast auf diesem Plateau. Während dieser Rast schmiedeten wir einen Plan. Wir wollten das Lager der Echsenmenschen finden, um sie zum Kampf zu stellen. Vielleicht würden wir dort auch den Schlüssel zu der bisher noch ungeöffneten Zwergentür finden. Als erstes suchten wir nach einem Weg zu diesem Lager auf einem anderen Plateau in der Pilzhöhle. Doch dort fanden wir nur das Lager der Tarnbestie, die wir am Tag zuvor ausgeschaltet hatten.

Also nahmen wir unsere Erkundung des natürlichen Höhlensystems wieder auf, in dem uns der Bär so schwer zugesetzt hatte. Doch auch dort konnten wir das Lager der Echsen nicht finden. Einer der Gänge führte zurück zum Eingang zu dieser Ebene des Zwergensystems. Ein anderer führte uns hinaus aus dem Berg an die Oberfläche. Es tat gut, endlich einmal wieder frische Luft zu atmen und den Himmel zu sehen. Doch noch war unsere Erforschung der Zwergenhöhle nicht abgeschlossen. Also stiegen wir wieder hinab in die Tiefe.

Das Lager der Echsen fanden wir zwar nicht, jedoch nach einer schwierigen Kletterpartie an einem reißenden Fluss entlang eine Treppe, die uns weiter in die Tiefe führte. In dieser Treppe konnten wir die alten Lagerräume der Zwerge finden, in denen es jedoch nichts mehr zu holen gab. In diesen Lagerräumen hauste eine gar seltsame Kreatur. Ein Schleimwesen, dass alles außer Stein auflösen konnte. Baal verlor gegen diese Kreatur seinen Zweihänder und entschied sich daher ab diesem Zeitpunkt das Durgeddin Bastardschwert zu schwingen. Und noch etwas fanden wir in dieser tieferen Ebene: den alten Kerker der Zwerge. Eine der Kerkertüren war noch verschlossen und weder mit Gewalt noch mit meinem Werkzeug gelang es uns diese Tür zu öffnen. Doch zu unserem Glück fand die immer neugierige Tiriel in einem der Zellen einen Schlüssel, der auf diese Tür passte.

In dieser verschlossenen Zelle fanden wir das mit einem Plattenpanzer gerüstete Skelett einer lange verstorbenen Zwergen-Offizierin. Andarell nahm die alte Rüstung von dem Leichnam ab, um sie selber anzuprobieren und dabei entdeckte sie, dass die lange verstorbenen Zwergin um ihren Hals einen Anhänger mit einem Schlüssel trug.

Dies war der Schlüssel zu der Tür, die wir bisher noch nicht öffnen konnten! Also konnten wir endlich unseren Weg in die Zwergenbinge fortsetzen. Eine langer Gang mit gewundenen Treppen führte uns in einen vieleckigen Raum mit drei Zwergenstatuen und zwei Türen. Doch die Türen erwiesen sich ein weiteres mal nur als Fallen der Zwerge! Eine der Zwergenstatuen schleuderte ihre Äxte nach uns, als wir versuchten die Türen zu öffnen. Nach längerer Suche konnten wir jedoch eine Geheimtür entdecken, die uns endlich ins Herz der Zwergenbinge führen sollte. Der hinter dieser Tür liegende Gang war mit einer uralten Warnanlage gesichert, die unser Kommen mit lauten Rufen ankündigte. Was auch immer dort auf uns lauern würde, unbemerkt kamen wir nicht.

Hinter diesem Gang lag der alte Thronsaal der Zwergenstadt: eine riesige von großen Säulen gestützte Halle mit einem Thron am anderen Ende. Bis in diese Halle waren wohl Orks vor ewigen Zeiten vorgedrungen, denn die Wände der Halle waren mit kruden Ork-Schmierereien verunstaltet. In dieser Halle begegneten wir den neuen Bewohnern der Zwergenbinge. Es waren Duergar, die Tiefenzwerge, die ihren Vettern ähneln, doch bleich und haarlos sind. Wir gerieten in einen Hinterhalt dieser als verschlagen geltenden Wesen. Es kam zu einem kurzen und hitzigen Kampf, in dem mir eines dieser Wesen mit seinem Dolch fast die Kehle durchschnitt. Dieser Kampf war so schnell vorbei, wie er begonnen hatte. Die feigen Duergar waren zu Verhandlungen bereit, als sie merkten, dass sie uns nicht so einfach töten konnten.

Also verhandelten wir mit ihnen, vor allen Dingen mit Garret, die sich uns als ihre Anführerin vorstellte. Gegen ein wenig Gold waren die Duergar bereit uns freies Geleit in diesen Räumen zu gewähren und uns sogar selber durch die von ihnen beanspruchten Räume zu führen. Außerdem erzählten die Duergar uns, dass hinter einigen der Türen noch von ihnen unerforschte Räume liegen, in denen die Toten umgehen sollen.

So ließen wir uns von den Duergar als erstes durch ihre Wohnstätten führen. In diesen Wohnstätten hatten sie ein einfaches Heim aufgeschlagen und mit dem Schmieden begonnen. Außerdem sahen wir einen Gang, der noch tiefer unter die Erde führte. Aus diesem Gang waren die Duergar bis in die alte Zwergenbinge vorgedrungen. Außerdem erzählten die Duergar uns von einem Drachen, der sie immer wieder heimsuchen würde. Er sollte in einem tiefen Krater leben, der zu ihren Wohnhöhlen führte. Vielleicht war dieser Drache auch Durgeddin und seinen Mannen zum Verhängnis geworden?

In den Wohnhöhlen der Duergar konnte wir weitere von Durgeddin geschmiedete Waffen finden: Drei Hämmer mit der Rune des Zwergenschmiedes. Diese Waffen wollten uns die Duergar jedoch nur aushändigen, wenn wir den Drachen für sie töten würden...

das hörte sich nicht wirklich nach einem fairen Geschäft an. In den Wohnhöhlen sahen wir noch einen wirklich bemerkenswerten Duergar. Irgendwie verströmte er eine furchteinflößende Aura der Macht – vielleicht ein Magier? Garret stellte ihn uns als Snorrevin vor.

Nachdem wir die Räume der Duergar gesehen hatten, entschieden wir uns zuerst die anderen Räume zu erkunden, bevor wir uns weitere Gedanken um die drei bei den Duergar befindlichen Durgeddin-Waffen machen wollten. Zuerst untersuchten wir die Tür östlich im Thronraum, direkt hinter dem Thron. Dies sollte sich als Fehler herausstellen, da wir dort eine folgenschwere Begegnung mit Nimira, der wirklichen Anführerin der Duergar, hatten. Nach kurzem hin und her, in dessen Zuge Baal die Wache Nimiras mit einem einzigen Streich tötete, kam es zum Kampf mit Nimira. Unglücklicherweise kam ihr auch noch der geheimnisvolle Snorrevin zu Hilfe. Mit einem einzigen Zauber schaltete sie fast die ganze Gruppe aus und uns blieb nichts anderes übrig, als uns zu ergeben.

Nach diesem Kampf zogen wir uns in den Raum mit den drei Zwergenstatuen zurück, um unsere Wunden zu lecken. Nachdem wir uns halbwegs erholt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg in die Zwergenbinge, um die anderen Räume zu erforschen. Zuerst wendeten wir uns der alten Zwergenküche zu. Bis auf einen wild gewordenen Tisch gab es dort jedoch nicht viel zu entdecken. Also blieben uns noch zwei Türen an der Nordwand des Thronsaals.

An der linken Tür fanden wir einen merkwürdigen Spruch:

Hinter dieser Tür liegt der Schöpfer des Todes in Ketten.
Möge er in seinem eigenen Hass brennen,
bis die Sonne verlöscht und die Welt untergeht.

Also entschieden wir uns zuerst für die rechte Tür. Hinter dieser Tür wurden wir von dem ruhelosen Geist eines Zwergenklerikers heimgesucht. Tiriel und mich trieb er fast in den Wahnsinn. Noch jetzt höre ich sein irres Kichern in meinem Kopf. Doch gelang es uns, ihm den ewigen Frieden zu schenken. Nach dieser Begegnung fanden wir vor allem Schutt und Trümmer in diesem Teil der alten Zwergenbinge. Doch scheint ein Fluch auf diesen Räumen zu liegen, denn neben dem ruhelosen Zwergenkleriker wurden wir auch noch von einigen Skeletten angegriffen, die sich aus ihrer Totenruhe erhoben. Dank Baal stellten sie keine allzu große Gefahr für uns dar. Nach dem Kampf mit den Skeletten machten wir uns auf den Weg, die weiteren Räume zu erforschen.

Und in meinem Kopf ist eine Idee herangereift, wie wir ohne allzu viel Blutvergießen und ohne mit einem Drachen zu kämpfen an die drei Hämmer Durgeddins kommen können. Ich werde sie bei nächster Gelegenheit mit meinen Gefährten besprechen.