Reisetagebuch
 
Reisebericht von Jonathan Schreiber
1. Marpenot 1359 T.Z.

Ich sitze gerade sitze ich mit meinen Freunden Dhune, Tiriel, Baal und Andarell – ja die Zwergin ist tatsächlich wieder zu uns gestoßen – im „Neunten Gasthaus“ in der kleinen Stadt Brindinfurt. Brindinfurt ist berühmt für seinen zur Hochernte stattfindenden Jahrmarkt. Jedes Jahr begeben sich Besucher von überall her in die Stadt, um an dem bunten Treiben teilzunehmen. Der Marpenot, oder Laubfall wie er im Volksmund auch genannt wird, hat mittlerweile begonnen und die Blätter der Bäume beginnen sich rot und golden zu färben.

Überall um uns herum stehen Menschen, die uns hochleben lassen und uns ein Bier nach dem anderen spendieren. Gerade eben hebt ein beleibter Händler seinen Krug in unsere Richtung und ruft:

„Hoch sollen sie leben, unsere Helden!“

Nun liebe Leser, verehrte Kollegen in Yhaunn, jetzt wundern Sie sich sicher wie es dazu gekommen ist. Das werde ich im folgenden, so gut wie ich es bei dem mich umgebenden Lärm vermag, berichten.

Beginnen möchte ich meinen kleinen Bericht am 1. Marpenot, also vor zwei Tagen. Nach unserer Begegnung mit Selûne und Tyrannos fanden wir uns in einem Selûne-Tempel wieder. Und zu unserer Überraschung war auch Andarell wieder bei uns. Die wortkarge Zwergin tat aber sehr geheimnisvoll, wie sie uns durch das Tor gefolgt war. Auf jeden Fall war sie wieder bei uns und das war eine gute Nachricht.

Bei der Untersuchung des Tempels, der übrigens ein architektonisches Wunderwerk darstellte – er erinnerte mich ein wenig an die neogotische Phase des arafelischen Reiches – entdeckten wir kaum etwas brauchbares. Nur Tiriel konnte in einem ehemaligen Musikzimmer eine wunderschöne Harfe finden. Als wir den Ausgang des Tempels erreicht hatten, stellten wir fest, dass er sich mitten in einem fremdartigen Urwald befand. Die Bäume und Tiere um uns herum waren uns allen völlig unbekannt und Baal konnte beunruhigende Spuren von riesigen Echsen entdecken.

Baal und ich erkletterten den höchsten Baum und konnten von seinen luftigen Wipfeln aus Anzeichen für Zivilisation sehen: Rauch stieg in der Entfernung auf und eine Art Waldweg schien sich in diese Richtung zu schlängeln. Als ich mir gerade ein Pfeifchen ansteckte, um die Aussicht noch ein wenig zu genießen, erschreckte mich der Anblick einer riesigen Flugechse in der Entfernung. Daher entschlossen wir uns dazu, sofort in Richtung des Rauches aufzubrechen. Wir folgten fast den ganzen Tag einer Art Waldweg oder Wildwechsel. Gegen Abend führte der Weg zu einem verlassenem Ort. Einige primitive Hütten, die sich um einen kleinen Brunnen drängten. Jedoch keine Anzeichen von den Bewohnern dieses Ortes. Aufgrund der herannahenden Dämmerung entschieden wir uns dazu, hier zu rasten.