Reisetagebuch
 
Reisebericht von Jonathan Schreiber
11. Uktar 1359 T.Z.

Dieser verfluchte Turm scheint uns auffressen zu wollen. Tod und Verderben, das scheint alles zu sein, was in seinem Innern auf uns lauert. Wie durch ein Wunder bin ich bisher unverletzt geblieben. Vorgestern, beim ersten Versuch in den Nachtzahn zu gelangen, wurden Dhune und Tiriel dahingeschlachtet. Tymora sei Dank konnte wir die gefallenen Freunde bergen. Und heute, gerade einen Tag nachdem unsere beiden Freunde von Kossuth-Priestern wieder zurück ins Leben geholt wurden, hat es Baal erwischt. Unser mächtiger Krieger ist von furchtbaren Golems gefällt worden.

Bei Tymora! Ich verstehe meine Freunde nicht. Sie überschütten mich mit Vorwürfen und nennen mich unberechenbar und unverantwortlich! Dabei ist es doch gerade meinen flinken Finger und meinem kundigen Geist zu verdanken, dass wir Runat, einen Gefangenen des Turms, befreien und ihm wichtige Informationen entlocken konnten. Und dann werfen sie mir vor, ich habe diesen Gefangenen voreilig, ohne es mit ihnen abzusprechen, laufen lassen! Das ich nicht lache. Man kann auch alles zerreden. Meine Freunde werfen mir unbedachtes Verhalten vor, obwohl sie sich in keiner Weise anders oder bedachter verhalten!

Allen voran Dhune, dieser undankbare Jungspund von einem Magier. Immer der Meinung, er habe die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ich erinnere mich noch zu gut daran, dass wir es IHM zu verdanken haben, dass Baal von einem Gedankenschinder ausgesaugt wurde. In Brindinfurt führt er auf eigene Faust eine Unterredung mit dem Baron und kurze Zeit später werden wir von den Schergen des Barons angegriffen. Ergebnis des Ganzen: Baal liegt erschlagen zu unseren Füssen. Oder in Ossingheim – Dhunes eigenmächtigem Verhalten ist es zu verdanken, dass der Turm und die wertvolle Bibliothek des Magiers verbrannt sind.

Von Tiriel ganz zu schweigen – bei Tiriel weiß ich in Bezug auf unbedachte Handlungen gar nicht, wo ich anfangen soll. Immer, wenn wir in der letzten Zeit in Schwierigkeiten geraten sind, war Tiriel daran beteiligt. Sie bringt sich selbst und damit uns alle immer wieder in Gefahr. Ihr und Dhunes Tod vor zwei Tagen sind nur auf ihr unbedachtes Verhalten zurückzuführen.

Andarell mag wohl tatsächlich die Hüterin der Vernunft und des bedachten Verhaltens sein. Doch sie ist schließlich Zwergin und dazu noch Klerikerin. Da sollte man das schließlich erwarten dürfen.

Trotzdem verstehe ich die Vorwürfe nicht. Noch nie hat mein Verhalten meine Gefährten in Gefahr gebracht. Sie scheinen den Unterschied zwischen Dummheit und kalkuliertem Risiko nicht zu kennen. Außerdem ist Tymora doch schließlich mit mir. Was soll da schon geschehen ...

Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall der Meinung, dass es allerhöchste Zeit wird, diesen verfluchten Turm zu verlassen. Die von Sturm Silberhand geforderten Informationen haben wir gesammelt. Ich denke, wir wissen genug. Auf jeden Fall genug um zu beurteilen, dass sich im Nachtzahn eine unschöne Suppe zusammenbraut. Diese Informationen sollten wir schnellst möglich Sturm überbringen. Es war schließlich nie die Rede davon, dass wir den Turm von allen Gefahren säubern und uns mit einem Heer von Untoten anlegen. Dafür kann die Belohnung fast nicht groß genug sein. Ich denke, wenn wir uns ohne Hilfe mit den Mächten des Turms anlegen, käme das einem Selbstmord gleich.