Reisetagebuch
 
Tagebuch von Tiriel Windfänger
18. Eleint 1359 (nach Taliser Zeitrechnung)

Nachdem wir gestern in die Zwergenbinge eingedrungen waren, führte uns eine mörderische Seilbrücke (der Zauberer Dhune wäre fast in den Abgrund gestürzt) tiefer ins Innere. Dort begegneten wir zum dritten Mal seit beginn unserer Reise ein paar Orks, die sich anscheinend in diesem alten Gemäuer eingenistet haben. Ihre Leichen zieren nun den Höhlengrund.

Wir durchschritten die Doppeltüre am Ende der Seilbrücke und erreichten eine natürliche Höhle. Hier fanden wir in einem dreckigen kleinen Verlies zwei Menschen, die schon seit einigen Tagen in orkischer Gefangenschaft und entsprechend entkräftet waren. Wir gaben ihnen zu essen und zu trinken. Sie flehten uns an sie nach Hause in ihr Dorf Lohental zu bringen, aber das hätte unser Vorhaben um mehrere Tage verzögert. Deshalb hielten wir es für das Beste, sie in ihrer Zelle zu lassen und auf dem Rückweg, den wir am nächsten Tag anzutreten hofften, mitzunehmen. Da sie schon Tage halbwegs unbeschadet überstanden hatten schien uns die Zelle der sicherste Ort für sie zu sein. Wir konnten sie davon überzeugen zu bleiben und sich nicht alleine auf den Weg zu machen, der ihren sicheren Tod bedeutet hätte. Sie erzählten uns noch dass es sich bei Ulf, dem Anführer der Orks, um einen Oger mit zwei großen Wölfen handelte.

Wir erkundeten weiter die Höhle. Neben einem verdreckten und stinkenden Küchenraum fanden wir noch einen Brunnen und einen von Säcken und Kisten verbarrikadierten Weg hinter dem ein seltsames Brummen zu hören war. Die Orks hatten diesen Ort auf ihrer Karte mit einem Totenkopf markiert. Diesem schenkten wir aber zuerst keine weitere Beachtung und wendeten uns nach Norden.

Hier gab es zwei weitere Totenkopfmarkierungen. Ein langer Gang erstreckte sich von Osten nach Westen. Am östlichen Ende befand sich der Schlafraum der Orks, in dem auch wir später (nachdem wir ihn von Orks gesäubert hatten) eine Rast einlegten. Am westlichen Ende erwartete uns eine riesige Stahltür mir grausiger Verzierung: jemand hatte einen abgetrennten Schädel an die Türe gespießt. Wir vermuteten den Oger Ulf dahinter. Weiter um eine Ecke starrte uns eine steinerne Zwergenstatue an. Das Feld vor der Türe daneben schien eine Falle zu sein. Der Halb-Ork Baal nahm kurzerhand eine der von uns zurückgelassenen Orkleichen und legte sie vor die Türe. Die Zwergenstatue öffnete den Mund und grünes Gas strömte heraus. Uns erreichte es glücklicherweise nicht. Dhune vermutete dass es eine schwächende Wirkung hat.

Wir öffneten die Türe und sahen uns plötzlich weiteren Orks entgegen! Ein alter Ork mit Wurfbeilen, anscheinend der Anführer, und seine vier Schergen versperrten uns den Weg. Die Orks konnten wir überwältigen aber der Anführer floh durch eine wie es schien massive Steinwand. Schnell war diese als Illusion enttarnt und wir verfolgten ihn. Nun, fast alle - Baal konnte nicht von der Illusion überzeugt werden und glaubte wir hätten uns in Geister verwandelt. Für ihn blieb der Durchgang eine Wand, mehrere Versuche sie zu durchdringen scheiterten schmerzhaft.
Also machten wir uns ohne unseren stärksten Kämpfer an die Verfolgung des alten Orks. Wir folgten einem Gang bis wir in den Raum gelangten von dem aus die Orks durch Schießscharten auf uns geschossen hatten. Mit gespannter Ballista warteten weitere Orks schon auf uns. Aber auch ohne Baals Hilfe konnten wir sie überwältigen. Wir fanden heraus dass man von diesem Raum aus die Eingangshalle vor der gefährlichen Seilbrücke bequem erreichen konnte.

Nach diesen Strapazen rasteten wir im Schlafraum der Orks. Den Heilkünsten unserer zwergischen Klerikerin Andarel verdanken viele von uns das Leben. In der Nacht hörten wir Schreie! Wir eilten ihnen nach aber leider kamen wir zu spät. Zwei Orks, die am Tag geflohen waren, schienen zurückgekehrt zu sein. Sie waren über die hilflosen Gefangenen hergefallen und hatten sie niedergemetzelt. Voller Trauer kehrten wir zu unserem Nachtlager zurück. Am nächsten Morgen fühlten wir uns stark genug um Ulf gegenüberzutreten.

Baal und Jonathan stemmten die schwere Eisentür auf, und schon kam der Oger uns entgegengestürmt. Er schwang eine riesige Axt und seine andere Klaue hielt die Ketten von zwei monströsen Wölfen. Ein Wolf wurde sofort von Dhune eingeschläfert. Dem anderen Wolf und dem Oger machten wir schnell den Garaus. In seinem Zimmer fand sich ein verzauberter Rapier, den Jonathan jetzt schwingt, und einig hundert Gold- und Silbermünzen.

Nun war es Zeit sich dem Brummen hinter dem mit Gerümpel verstopften Gang zuzuwenden. Der Gang wurde freigelegt und ein Eisengitter das den Weg versperrte hochgeschoben. Wir erwarteten, jeden Augenblick von einem Schwarm Insekten oder ähnlichem angegriffen zu werden, aber nichts geschah, und das Brummen war verstummt. Unsere Blicke fielen in einen weiten Raum voller Zwergenfresken. In seiner Mitte tat sich die Erde auf, und eine Treppe führte in den Schlund hinab. Von unten drang das Plätschern von Wasser. An den beiden Enden des Raums befanden sich je eine Türe.

Die linke, nah am Eingang gelegene Türe sollte mir zum Verhängnis werden. Ich eilte voraus um sie zu untersuchen. Da ich eine Falle vermutete fasste ich sie nicht an sondern betätigte die Klinke mit dem Ende meiner Fackel. Im selben Moment stürzte eine klebrige Flüssigkeit auf mich herab (mittlerweile weiss ich dass es Öl war) und Flammen umfingen mich. Ich verlor augenblicklich das Bewußtsein. Als ich die Augen wieder öffnete hielt mich Andarel in den Armen und flößte mir eine süßliche Flüssigkeit ein. Ich schaute an mir herab und erschrak: meine Kleidung war verkohlt, Teile rauchten sogar noch, und es stank nach verbranntem Fleisch. Fast meine gesamte Ausrüstung war den Flammen zum Opfer gefallen, darunter auch meine geliebte Harfe, die mein Vater mir vor vielen Jahren geschenkt hatte! Ich hoffe er wird nicht zu traurig sein dass ich sie so leichtsinnig verloren habe. Ich weiss selber dass ich oft zu unbesonnen bin, aber es ist so schwer immer zu warten bis jede Türe dreimal überprüft wurde! Und ohne ein bischen Risiko ist das Leben doch kein Abenteuer! Naja...mal sehen wann meine Haare nachgewachsen sind, vielleicht finde ich einen Zauberer der sie schneller wachsen lässt, bezahlen kann ich ihn ja mit dem ganzen Gold dass wir hier finden.
Aber zurück zu unserem Abenteuer. Denn kaum war ich dank Andarel dem Tod entronnen wurden wir schon wieder angegriffen. Drei (oder vier?) riesenhafte Mücken surrten aus der Erdspalte hervor und stürzten sich auf uns. Dhune und Jonathan wurden gestochen und die Mücken saugten ihr Blut aus. Wir schafften es sie abzuwehren, aber die beiden sind immernoch ein wenig geschwächt und selbst Andarel kann ihnen nicht helfen.

Jonathan versuchte wagemutig die Feuer- und Ölfalle zu entschärfen. Der Schweiß stand ihm minutenlang auf der Stirn, aber schliesslich schaffte er es! Er öffnete die Türe – und Öl übergoß ihn. Aber zumindest hatte er das Feuer ausgeschaltet, so war die Falle nurnoch eine geringe Unannehmlichkeit. Hinter der Türe befand sich – NICHTS! Die ganze Arbeit umsonst, diese fiesen Zwerge. Nur der Fallenmechanismus, mit einem fast leeren Öltank. Ich zapfte noch ein Fläschchen von der gut brennbaren Flüssigkeit.

Hinter der zweiten Türe fanden wir in einem zerlumpten Himmelbett drei alternde Orkdamen, anscheinend die Gespielinnen von Ulf. Da sie sich als unkooperativ erwiesen schauten wir den nackten Tatsachen ins Auge und schickten sie Ulf hinterher. Eine der drei war eine Schamanin und so grauenhaft anzusehen dass der arme Dhune die Flucht ergriff. Ohne weitere Rast stiegen wir in die Spalte hinab.
Wir gelangten zu einem Bach der den Weg kreuzte. Links uns rechts floß er durch schmale Tunnel in den Fels. Aber mir schien als ob ich durch den linken Tunnel hindurchpassen würde. Das Wasser war eiskalt und meine Begleiter protestierten, aber meine Neugier war zu stark – und sollte belohnt werden. Ich kroch 2 Meter den Gang entlang bis zu einer Biegung. Ich blickte herum und sah einen lange verstorbenen Zwerg im Wasser schwimmen. Zu beiden Seiten schienen sich die Felswände zu weiten, und das Ufer war mit etwas Stroh bedeckt. Die Sache war mir nicht geheuer, und so bat ich Jonathan mir in den Gang zu folgen – man weiss ja nie was hinter der nächsten Biegung lauert. Wir krochen weiter bis zu der kleinen Höhle – und wurden aus der Luft von drei weiteren Riesenmücken attackiert. Aber das Glück war auf unserer Seite und schnell hatten wir sie mit Bolzen und Rapier durchbohrt. An dem unglücklichen Zwerg fand ich einen silbernen Stab mit eingravierten Zwergenrunen. Andarel entzifferte sie wenig später als „Stab des Lichts“. Der Stab kann noch 20 Mal einen Lichtzauber ausführen, und leuchtet jedes Mal eine Stunde lang. Nach dem Verlust meiner Harfe tröstet mich dieser Fund ein wenig und froh zog ich mit den anderen weiter. Den Stab probierte ich sofort aus.

Von den Wundern und Schecken die unter der Erde auf uns warteten schreibe ich beim nächsten Mal.